Si tacuisses …

… philosophus mansisses! Diesen “Zuruf” habe ich gestern vom Präsidenten der “Deutschen Schießsport Union” (DSU), Hermann Thieme, erhalten, Anlaß dafür war mein – jetzt auch schon über zwei Monate alter, aber offensichtlich noch immer aktueller, Artikel “Beschwichtiger vom Dienst“.

Thieme reiht sich damit in eine illustre Runde ein, nachdem ich meine Antworten an die Herren Keusgen (FWR), Graefrath (BDMP) und Wilhelmus (VISIER) auch hier publiziert habe sehe ich keine Ursache, beim Herrn Thieme anders zu verfahren. Also dann:

Sehr geehrter Herr Thieme,

mit Interesse habe ich Ihr Schreiben vom 25. Februar 2014 zur Kenntnis genommen, ehe ich näher darauf eingehe möchte ich jedoch nachdrücklich darauf hinweisen, daß ich keine Funktion in der IWÖ mehr ausübe und somit die Adressierung bzw. der Betreff Ihres Briefes zumindest mißverständlich, jedenfalls aber faktisch unkorrekt ist.

Zwar ist es meines Wissens nach zutreffend, daß auch die IWÖ zu den Äußerungen des FWR bezüglich der Initiative von EU-Innenkommissarin Malmström kritische Worte gefunden hat, die von Ihnen besonders beanstandeten Äußerungen entstammen jedoch allein meiner privaten Feder.

Insofern ist also Ihr zugleich an mich und an den Generalsekretär der IWÖ, Dr. Georg Zakrajsek, gerichtetes Schreiben für mich nicht nachvollziehbar, dies gilt auch und besonders für Ihren Schlußsatz – es sei denn Sie hätten „Dem“ statt „Den“ gemeint.

Nun will ich aber näher auf Ihre Zeilen eingehen, nicht ohne zuvor nochmals zu betonen daß ich hier nur für mich selbst schreibe:

Es ist begrüßenswert, daß auch Sie als Schießsportverband „über den eigenen Tellerrand“ blicken und sich somit auch für europäische Entwicklungen interessieren; diese Entwicklungen haben ja beklagenswerterweise Auswirkungen auf alle dem Regime der Europäischen Union unterworfenen Mitgliedsstaaten. Natürlich gibt es innerhalb der EU nationale Waffengesetze die von Land zu Land verschieden sind, der unheilvolle Einfluß der Europäischen Union auf die nationalen Waffengesetzgebungen manifestiert sich aber besonders just in dem von Ihnen gebrachten Beispiel der Waffenregistrierung: Das von Ihnen selbst als „Monstrum“ bezeichnete nationale Waffenregister (in Österreich: Zentrales Waffenregister) ist nicht wie Sie meinen eine „in dieser Form rechtlich überhaupt gar nicht notwendig gewesene 1:1-Übernahme von Vorschlägen der europäischen Bürokratie“, sondern die verbindliche Umsetzung der EU-Waffenrechtsrichtlinie 2008 (RL 2008/51/EG). Ein scheußliches und ohne Not geschaffenes Konstrukt, unnötig, teuer, gefährlich und potentiell der Todesstoß für den legalen Waffenbesitz. Die EU, gewürzt mit einer Prise UNO und einem Schuß IANSA …

Die gerade aktuelle Initiative von EU-Innenkommissarin Malmström, „Schusswaffen und die innere Sicherheit der EU: Schutz der Bürger und Unterbindung des illegalen Handels“, ist nur der nächste Schritt in Richtung Abgrund, wer das verkennt oder schönredet hat das Wesen des Regulierungsmonsters EU nicht erkannt und handelt – so er nicht nur für sich selbst spricht, sondern auch andere zu vertreten hat – mehr als nur fahrlässig!

Aus dieser Überzeugung heraus habe ich im vergangenen Dezember den von Ihnen beanstandeten Artikel „Beschwichtiger vom Dienst“ veröffentlicht, ich sehe nach wie vor keine Ursache davon abzurücken. Doch mehr dazu weiter unten.

Daß ich mit dieser Einschätzung nicht allein dastehe bekräftigt mich jedenfalls in meiner Kritik, nicht nur wurde mir beispielsweise via Email und in den sozialen Netzwerken viel Zustimmung zuteil, auch die jüngst von der FACE, dem „Europäischen Zusammenschluss der Verbände für die Jagd und Wildtiererhaltung“, veröffentlichte Stellungnahme zu den Malmström-Plänen zeigt mehr als nur deutliche Vorbehalte gegen diese neuerliche Brüsseler Initiative betreffend den legalen Waffenbesitz (siehehier).

Auf die Erfolge des Forum Waffenrecht in der Vergangenheit will ich hier gar nicht näher eingehen, gewiß hat es die gegeben, das ist aber nicht das Thema. Mir geht es darum, eine möglichst breite Information der legalen Waffenbesitzer zu den Entwaffnungsphantasien der Frau Malmström zu erreichen, nicht diese zu beschwichtigen und schönzureden – das ist nämlich der falsche Weg!

Wenn Sie meinen Artikel (bzw. die später erschienen, darauf Bezug nehmenden) als „Schmähkritik und Beschimpfungen“ bezeichnen, dann haben Sie meine Intention nicht verstanden.

Sie haben offenbar aber auch nicht verstanden, weshalb ich den Vergleich mit den „Judenräten im Dritten Reich“ gebracht habe: Natürlich ist das harter Tobak, natürlich ist das historisch nur ansatzweise korrekt, ob das – wie von Ihnen dargestellt – „in mehrfacher Hinsicht ehrenrührig und falsch“ ist liegt aber im Auge des Betrachters. Es war jedenfalls eine der Aufgaben der Judenräte, die eigenen Leute zu beschwichtigen und so dem Terrorregime die schreckliche „Arbeit“ zu erleichtern, somit habe ich diesen Vergleich gezogen und ich erkenne die Parallele nach wie vor. Sie haben teilweise recht, „ein Vergleich auch der waffenfeindlichsten Bestrebungen mit dem NS-Terror ist gänzlich verfehlt“. Mit dem „NS-Terror“ vielleicht, mit der „NS-Politik“ aber nicht – vgl. dazu etwa RGBL I 1938, S. 1573!

Natürlich habe ich Verständnis dafür, daß die solcherart verglichenen damit keine Freude haben können, die hätte ich auch nicht – es handelt sich hier aber eben um einen Vergleich, um etwas das aufrütteln und zum Nachdenken anregen soll. Irgendwie hat das nicht ganz so funktioniert wie ich mir das vorgestellt hatte.

Wissen Sie, sehr geehrter Herr Thieme, was mich nachdenklich macht? – Die Verschärfungspläne der EU-Kommission werden bekannt, das Forum Waffenrecht veröffentlicht dazu einen beschwichtigenden Kurzartikel auf seiner Webseite und kaum einer nimmt daran Anstoß, man könnte meinen alles wäre in bester Ordnung.

Dann kommt so ein frecher Österreicher daher, berichtet darüber und stellt einen provokanten Vergleich an – und was passiert? Der „böse Quertreiber“ bekommt empörte Briefe vom FWR, vom BDMP und von der DSU, das „VISIER“ widmet ihm gar ein Editorial! Wegen eines simplen Vergleichs!

Ich denke, den legalen Waffenbesitzern in Deutschland, in Österreich, in Europa wäre besser gedient, diese Energie im Kampf gegen Cäcilia Malmström und ihre Initiative einzusetzen, als hier den Überbringer der schlechten Nachricht zu steinigen!

Wenn Sie schreiben „Jeder Angriff auf unsere Lobbyorganisationen ist ein Angriff auf Waffenbesitzer insgesamt“, so kann ich nur hoffen daß Sie damit nicht mich ansprechen. Denn das wäre eine Frechheit und eine Verdrehung der Tatsachen sondergleichen.

In Ihrem Schlußsatz rufen Sie mir zu: „Si tacuisses, philosophus mansisses!“

Lassen Sie mich antworten: „Qui tacet, consentire videtur!“

 Mit freundlichen Grüßen

 Richard Temple-Murray

(bf_Thieme)

Der nächste bitte! Oder empören sich die Leute vielleicht doch bald einmal besser über die Frau Malmström…?