Vom Aufbau einer URL

Am Freitag habe ich davon berichtet, daß ich auf der Internetseite der Europäischen Kommission einen Antwortbrief eines Herrn Marini auf die an Cäcilia Malmström gestellten Fragen gefunden habe. Wie gesagt interessiert mich der aber gar nicht wirklich, ich bestehe auf einer persönlichen Antwort und pfeife auf irgendwelche Schimmelbriefe. Für etwas ist der Brief aber dennoch gut:

Es ist nämlich ganz interessant sich einmal anzusehen, wie die Internetadresse (URL) dieses Briefes aufgebaut ist, wo findet sich der Wisch eigentlich? Wie gelangt man dorthin, wo die Fragen gesetzestreuer Bürger einer nichtssagenden Antwort wert befunden werden?

Eine URL (unique resource locator) ist grob gesagt in drei Teile aufgebaut: den Servernamen, das Verzeichnis (bzw. die Unterverzeichnisse) und den Dateinamen. Sehen wir uns also die URL des Schimmelbriefes einmal an: http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking/trafficking-in-firearms/docs/answer_to_firearms_complaint_en.pdf

ec.europa.eu ist der Servername, dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking/trafficking-in-firearms/docs/ sind die  Verzeichnisse  bzw. Unterverzeichnisse und  answer_to_firearms_complaint_en.pdf  ist der Dateiname. Also zerpflücken wir das einmal:

  • http://ec.europa.eu/: Hier landet man auf der Webseite der Europäischen Kommission, hier wählt man die Sprache aus und gelangt dann auf die Homepage. (Für diese “Führung” bleiben wir bei der englischen Sprache, da die URL des Briefes über englische Seiten geht.)
  • http://ec.europa.eu/dgs/: Hier gelangen wir zur Seite der diversen Abteilungen bzw. Generaldirektionen, weiter geht es zu
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/, der Startseite der Generaldirektion für Inneres (home affairs). Hier findet man einen ersten Überblick über die Aufgaben dieses Ressorts.
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do: Hier ist das Ziel der GD für Inneres umschrieben – “Our aim is to ensure that people may undertake in a stable, lawful and secure environment all activities (cultural, social and economic) that further the EU’s growth.” (“Unser Ziel ist es sicherzustellen, daß die Bevölkerung in einer stabilen, rechtmäßigen und sicheren Umgebung all jenen Aktivitäten (ob kulturell, sozial oder wirtschaftlich) nachgehen kann die das weitere Wachstum der EU  gewährleisten.”) So weit, so salbungsvoll. Weiter geht’s:
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/: Hier erfährt man, daß die Hauptaufgaben der EU-Innenpolitik einerseits  aus “migration and asylum” (Migration und Asyl), andererseits  aus “internal security” (also innerer Sicherheit) bestehen. Nachdem der legale Waffenbesitz mit Migration und Asyl nichts zu tun hat, fällt das wohl unter die “innere Sicherheit”, dieses Teilgebiet wird so beschrieben:“(…) encompasses the fight against organised crime and terrorism, police cooperation and the management of the EU’s external border.” (“… umfaßt den Kampf gegen das organisierte Verbrechen und Terrorismus, Polizeizusammenarbeit und die Verwaltung der EU-Außengrenze.”) Also nichts was Jäger, Sportschützen, Waffensammler und verteidigungsbereite Waffenbesitzer irgendwie persönlich zu tangieren hätte. Sollte man meinen, es kommt aber noch besser:
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking: Wir landen im Unterverzeichnis für “organisierte Kriminalität” und “Menschenhandel”. Jäger sind bspw. in Hegeringen organisiert, Sportschützen in Vereinen – aber das ist doch wohl hoffentlich in den Augen der EU keine “organisierte Kriminalität”!? “Menschenhandel” kann man eigentlich auch ausschließen, wenn ein Jäger etwas aus Afrika mitbringt dann ist das zumeist kein Leibsklave. Die EU-Kommission sieht das wohl anders. Weiter:
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking/trafficking-in-firearms/: Jetzt geht’s ans Eingemachte – “Control of firearms is crucial in the fight against crime, and the EU has taken several measures to complement the work of Member States in addressing the risk of criminal use of firearms.” (“Waffenkontrolle ist entscheidend im Kampf gegen das Verbrechen, die EU hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen um die Bemühungen der Mitgliedsstaaten gegen die Gefahren der kriminellen Verwendung von Schußwaffen zu ergänzen.”) Danke, liebe EU! Jetzt wissen wir’s also – die Waffenkontrolle führt uns zur alleinigen Glückseligkeit! Das ist natürlich völlig korrekt, das unterschreibe ich sofort! – Äh, Moment – hier ist doch sicherlich die Kontrolle der illegalen Waffen in den Händen von Verbrechern gemeint, oder? Komisch, daß das nicht explizit so dasteht…
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking/trafficking-in-firearms/docs: Dieser Link führt leider nirgendwohin, zumindest ist der “access forbidden”, der Zugang also verboten. Schade eigentlich, ich bin sicher daß da ganz interessante Schriftstücke vergraben sind! Egal, kommen wir zum “Antwortbrief”:
  • http://ec.europa.eu/dgs/home-affairs/what-we-do/policies/organized-crime-and-human-trafficking/trafficking-in-firearms/docs/answer_to_firearms_complaint_en.pdf: Hier ist er dann, der Schimmelbrief, lahme Beschwichtigung vom feinsten. Eine Passage “gefällt” mir dann aber doch ganz gut: “… it is our task now to address those concerns, to reassure legitimate users of civil firearms that we aim to minimise interference with their lawful activities, …” (“… ist es nun unsere Aufgabe diesen Befürchtungen entgegenzutreten, den legalen Besitzern ziviler Schußwaffen zu versichern daß es unser Ziel ist, die Beeinträchtigung ihrer rechtmäßigen Betätigung zu minimieren, …)

Der Weg zu einer Antwort auf die berechtigten Sorgen der legalen Besitzer von Schußwaffen in diesem hochgelobten Europa führt also über das “Wachstum der EU”, über “innere Sicherheit” und “Migration”, über “organisierte Kriminalität” und “Menschenhandel” und über die “Waffenkontrolle” hin zur “Minimierung der Beeinträchtigung der rechtmäßigen Betätigung”.

Ganz ehrlich – ich kann den Untergang dieses Molochs “EU” schon gar nicht mehr erwarten! Wir werden’s erleben…