Katja Triebel bei Markus Lanz

ZDF – Mediathek vom 15. Mai 2015

Am 30. April 2014 wurde ich sehr kurzfristig zur Sendung “Markus Lanz” eingeladen. Ich sollte als Pro-Selbstverteidigung-Gast auftreten und zum Vorfall in Montana (USA) Stellung nehmen. Ein US-Amerikaner hatte meines Erachtens Notwehrprovokation begangen und einen Austauschschüler aus Hamburg mit seiner Schrotflinte ermordet. Kurz vor Hamburg erhielt ich den Anruf einer Redakteurin, dass ich nicht auftreten dürfe.

Frau Triebel, ich habe Ihren Blog gelesen. Da stehen ja so viele Studien drin. Es ist unserer “journalistischen Sorgfaltspflicht” geschuldet, dass wir uns erst einmal in das Thema einlesen müssen, bevor wir Sie interviewen können.

Meine Antwort:

Aha! Sie müssen also erstmal Material gegen mich sammeln.

Kurzlink zum Artikel: http://wp.me/p2Ff8N-nl

Eine Woche später besuchte mich ein sehr netter Mann aus der Redaktion in Berlin und wir unterhielten uns lange über das Thema Waffen, Selbstverteidigung und Opferschutz. Er hatte meinen Blog gelesen, insbesondere die Seite “Fakten zu Waffen” studiert und stellte viele interessierte Fragen zu meinen Argumenten. Am Ende des Gespräches fragte ich ihn:

Ich gehe mal davon aus, dass ich Sie nicht überzeugen konnte, Schusswaffen zur Selbstverteidigung zu bejahen. Aber kann es sein, dass Sie jetzt weniger Angst vor legalen Waffenbesitzern haben?

Er bejahte beides. Beim Briefing eine Woche später in Hamburg zeigte es sich, dass der folgende Satz, der sinngemäß vom Kriminologen Prof. Gary Kleck stammt, für ihn am bedeutendsten war:

Gewalttäter wollen Waffen besitzen.
Aber legale Waffenbesitzer wollen keine Gewalt.

Die Redaktion lud mich nun erneut ein für die Aufzeichnung am 14. Mai und suchte händeringend nach einem konträren Gesprächspartner, vom Vater des getöteten Hamburgers über den Kriminologen Christian Pfeiffer und Gisela Meyer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Laut Angaben der Redaktion blieb die Suche wegen Terminschwierigkeiten zunächst erfolglos. Meinem Terminplan war es geschuldet, dass ich in die Sendung mit den bereits fest terminierten Gästen Wolf Schneider, Heidi Hetzer und Miss Platnum kam. Andernfalls wäre ich zusammen mit Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen und Moderator Oliver Geissen aufgetreten.

Durch die kurzfristige Absage von Heidi Hetzer wurde ein weiterer Stuhl frei und ich bekam das für die Sendung Lanz völlig unübliche Vergnügen, dass drei Gäste in einer Sendung zum gleichen Thema Platz nahmen. Zudem erhielt ich den unbequemen Sitz zwischen den beiden Stühlen, wodurch ich weder Anfang, noch Ende des Themas beeinflussen konnte.

In den Foren wurde sich beschwert, dass Wolf Schneider und Miss Platnum eine Fehlbesetzung waren. Doch ist die Sendung völlig anders konzipiert. In der Regel werden fünf bis sechs Gäste eingeladen, die überhaupt keinen Themenbezug zueinander haben. Ab und zu werden die Gäste in eine Befragung kurz einbezogen, manches Mal unterhält sich Lanz aber ausschließlich 10 Minuten nur mit einem Gast und geht dann zum nächsten Interview über.

Anscheinend waren dem ZDF meine Argumente so heiß, dass man den Rechtsexperten Ingo Lenßen einlud, der als Fernseh-Anwalt seine Detektive in einer Pseudo-Doku Taten ausführen lässt, die in der Realität zu sicheren Gefängnisstrafen führen würden. (Kritik des Bundesverbands Deutscher Detektive). Der zweite Gast, der als Waffengegner auftrat, war ein Opfer von Schusswaffengewalt beim Amoklauf von Winnenden. Zudem wurden die im Briefing und in der Ankündigung aufgeführten Themen gar nicht besprochen:

Die Waffenexpertin und Unternehmerin Katja Triebel ist sich sicher: “Weniger Waffen bringen nicht mehr Sicherheit.” Bei “Markus Lanz” sagt Triebel,

  • warum sie sich für den privaten Waffenbesitz einsetzt,
  • erklärt, wer alles ihrer Meinung nach Waffen besitzen sollte und
  • warum der Waffenbesitz die eigene Psyche verändert.

Wer sich die ausgestrahlte Sendung anschaut, wird bemerken, dass ich diese drei Dinge nicht erklären durfte. Zudem diskreditierte Markus Lanz mich bereits in seinem Trailer zur Sendung. Als “Waffenhändlerin – nicht Waffenrechtsexpertin” wurde ich angekündigt. Dabei steht es mittlerweile wohl außer Frage, dass ich als Waffenrechtsexpertin anerkannt bin und das Wort “und” statt “nicht” meinen Status präzise beschreibt.

Auch versuchte Lanz, meine Worte umzudrehen. Auf meinem Blog kann man lesen:

Selbst wenn es in fast jedem Haushalt eine legale Schusswaffe gäbe, stellt dies keine Gefahr sondern ein Vorteil für die Gesellschaft dar, da dann voraussichtlich alle Haushaltsmitglieder im Umgang und in den Sicherheitsregeln geschult wären.

Ein Kind, welches keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt wäre, würde die Waffe nicht automatisch aggressiv anwenden, da es die damit verbundenen Verhaltensmuster nicht kennt, sondern würde mit Waffen so umgehen, wie es die Eltern tun: diszipliniert und eigenverantwortlich (Selbstnachahmungshypothese).

In der Sendung kommt das dann so an:

Lanz:”Also Sie plädieren dafür, dass möglichst viele Haushalte eine Waffe zu Hause haben? Habe ich das richtig verstanden?”

Für die 75 Minuten Sendung werden 85 bis 90 Minuten aufgenommen und dann geschnitten. Entfernt wurde das komplette Thema “Notwehr oder Selbstjustiz in Sittensen” und Opferschutz. Thomas Richter war live dabei und beschrieb die Aufzeichnung aus seiner Sicht. Was dort noch fehlt ist die Reaktionen des Publikums (Buh-Rufe) hinsichtlich meiner Aussage, dass fünf ermordete Frauen pro Woche Grund genug wären, um über Selbstverteidigung mit einer Schusswaffe nachzudenken.

Rechtsanwalt Lenßen fand, dass es für Missbrauchsopfer besser sei, zur Polizei und Gericht zu gehen. Dabei übersieht er jedoch, dass viele der ermordeten Frauen diese Gänge schon hinter sich hatten. Ihr Leben konnten sie damit jedoch nicht schützen.Und mein Verweis auf die Schweiz, wo der Waffenbesitz zur Selbstverteidigung erlaubt ist, weniger Morde geschehen und nur ganz, ganz selten eine Schusswaffe für einen finalen Rettungsschuss benutzt wird, wurde weggewischt, dass die Schweiz nicht interessiere. Hinterher frage ich mich, was die kriminellen Gewalttaten aus Brasilien, die Ingo Lenßen anführte, beim Thema legaler Waffenbesitz zu suchen haben.

Da es mir nicht möglich war, in der Sendung die oben beschriebenen Erklärungen abzugeben, habe ich diese am Tag nach der Sendung hier verbloggt:

Hätte man mich 2008 nach Selbstverteidigung mit Schusswaffen gefragt, hätte ich dem Fragesteller einen Vogel gezeigt und gesagt, Waffen gehören nur in die Hände von Staatsdienern, Sportschützen, Jägern und Sammlern.

Nachdem ich das Buch Point Blank von Prof. Dr. Gary Kleck gelesen hatte, dass 1993 als eines der besten Bücher über Kriminologie prämiert wurde, haben sich meine Ansichten ziemlich geändert.

Schusswaffen in den richtigen Händen können Leben retten, da oftmals der Täter von seinem mörderischen Plan Abstand nimmt, wenn das Opfer bewaffnet ist und sein eigenes Leben in Gefahr sieht.

Weiterlesen: Opferschutz

Ich war verwundert, wie viele meiner persönlichen Bekannten die Sendung gesehen hatten, die nichts mit Waffen zu tun haben, sondern nur mich als Katja kennen. Deren Feedback war unisono: “Die Diskussion war ganz schön unfair, aber du hast dich gut gehalten”. Wenn die unfaire Behandlung beim neutralen Zuschauer haften bleibt, dann habe ich einen klitzekleinen Pluspunkt beim Mainstream erreicht: legale Waffenbesitzer sind vernünftige Bürger und die Medien wollen nicht neutral über sie berichten.