LJV BW distanziert sich vom Editorial der Wild und Hund

In der Regel bin ich die Allerletzte, die sich gegen die Positionen eines Landesjagdverbandes auflehnt. Aber manchmal ist “political correctness” eines Verbands ein Tropfen zuviel und ich muss darüber schreiben.

Was war passiert? Es gab ein Editorial einer Jagdzeitschrift, welches aufgrund von angeblichen Nazivergleichen in der Süd-West-Presse ein Echo fand.

Mich beschlich dieses ohnmächtige Grausen, als ich die Jagdgesetz-Entwürfe aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen studierte. Zu oft stand mir dort das Wort „Ermächtigung“ oder „die Oberste Jagdbehörde (also das Ministerium) wird ermächtigt“.
Auszug aus dem Editorial:  21/2014  Wild & Hund

 

Jagdzeitschrift hetzt gegen Grüne – Empörung über Nazi-Vergleich
In ihrem Editorial vergleicht die bekannteste Jagdzeitschrift die grün-rote Jagdnovelle mit Hitlers Ermächtigungsgesetz – und sorgt damit für Kopfschütteln
Auszug aus http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Jagdzeitschrift-hetzt-gegen-Gruene-Empoerung-ueber-Nazi-Vergleich;art4319,2889545

Was hatte der Chefredakteur getan? Er verglich die Gesetzesvorlage der Grünen, die sich nicht auf Mehrheiten stützen kann, mit den Gesetzen, die in der Weimarer Republik kurzfristig eingeführt werden durften und den Aufstieg der Nazis ermöglicht hatten. Er verwies dabei auf das satirische Buch von Timur Vermes „Er ist wieder da“.

Im Gegensatz zum LJV Baden-Württemberg habe ich das Buch vor Kurzem gelesen und oftmals schallend gelacht.

Ja, es ist Realsatire. Hitler wacht nach 60 Jahren Schlaf – ähnlich wie der Held von Simone de Beauvoirs Roman: Alle Menschen sind sterblich – auf und befindet sich in der Jetztzeit. Durch einen Zufall wird er Gast bei einem Pendant von Kaya Yanar und holt Quote.

Alle glauben, der macht nur Scherze und traut sich, was zu kritisieren, was sich sonst keiner traut. Der Witz liegt darin, dass der Autor den nach 60 Jahren Schlaf erwachten Hitler genau das sagen lässt, was er auch früher schon propagiert hatte, nur angepasst auf die heutige Situation.

Die Komik liegt darin, dass er Erfolg hat, weil er – wie schon vor 80 Jahren – die Dinge punktgenau nennt, die Kritik benötigen. Er war damals schon ein Meister der PR und wird in der Jetztzeit ebenso schlau und demagogisch dargestellt.

Desweiteren ist es komisch, wie sich alle möglichen Leute bei ihm anbiedern – allen voraus die Grünen und Roten – merkwürdigerweise aber nicht die Braunen. Auf der anderen Seite kein Wunder. Denn der Held läßt kein gutes Blatt an den Braunen: zu verweichlicht, zu dumm, zu wenig zielgerichtet. Eventuell ist genau diese Attitüde (Unterstützung grüner Kritiken) der Aufhänger, warum so viele Mainstreammedien das Buch verdammen.

Man sollte sich Hornungs Editorial mal richtig durchlesen. Es geht hier um den totalen Etatismus. Dabei ist es egal, ob dieser rechts oder links eingefärbt ist. Dabei ist es egal, ob dieser von Honecker, Lenin, Mao oder Hitler beherrscht wird.

“Hitler gibt den Anwalt der kleinen Leute, er brandmarkt rasende Autofahrer, Lebensmittelskandale, Telefonieren am Steuer. Nur: Hitler meint es ernst, alle anderen jedoch versuchen, egal wie rassistisch und chauvinistisch seine Ausfälle werden, ein immer noch größeres Maß an Ironie herauszulesen.”
Rezession der SZ

Und genau hier liegt auch die Gefahr bei den Grünen. Sie sind ebenfalls Anwälte der kleinen Leute, brandmarken rasende Autofahrer, Lebensmittelskandale, Jäger und Waffen. Und keiner weiß, was bei ihren Paradigmenwechseln so rauskommt. Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht. Das gilt für das Verbot von Baujagd, Winterfütterung, Bleimunition, Teile der Hundeausbildung wie auch auch für die Subvention von Biogas, Grüner Energie ohne Netzausbau, E-Autos mit Lithium-Batterien uvm.

Der LJV Baden-Württemberg, dessen Postings ich sonst gerne verteile, hat sich (meines Erachtens vorschnell) von dem Editorial mit diesen Worten auf Facebook distanziert:

In den zahlreichen Gesprächen rund um das JWMG haben wir uns um eine harte Auseinandersetzung in der Sache bei moderatem Ton bemüht. Dies ist und bleibt Anspruch des LJV. Das Gewicht unserer Stimme ist entscheidend.

Aus Anlass eines aktuellen Editorials in einer nicht einem Jagdverband zugehörigen Jagdzeitschrift stelle ich fest, dass jegliche Vergleiche mit Bezug zum Dritten Reich in jagdpolitischen Diskussionen völlig unangebracht und indiskutabel sind. Speziell haben die im JWMG enthaltenen Ermächtigungsgrundlagen nichts, aber auch gar nichts mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 gemein, mit dem durch Abschaffung der Gewaltenteilung die Hauptgrundlage des NS-Diktatur geschaffen wurde.

Wir erwarten schließlich auch von anderen Akteuren, dass Sie die Behauptung, Jagdgesetze seien zu reformieren, da sie in ihrer Tradition auf das Reichsjagdgesetz zurückgehen und das ein Nazigesetz gewesen sei, unterlassen. Die vom Bundesjagdgesetz übernommenen Regelungen entstanden unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun um 1920 in Preußen und werden bis heute international als vorbildlich angesehen. Sie orientieren sich an der Wildbiologie und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

LJV distanziert sich von Nazi-Vergleich in Jagdpresse

Ermächtigungsgesetze lt. dt. Wikipedia beziehen sich nicht nur auf die Nazizeit, sondern auch auf die Weimarer Regierung. Sie kamen entweder mit 2/3 Mehrheiten (die gleiche Mehrheit, die auch eine Verfassungsänderung benötigt) oder kurzfristig mit weniger Stimmen zustande.

In der englischen Wikipedia finde ich eine bessere Beschreibungen:

The Nazis devised the Enabling Act to gain complete political power without the need of the support of a majority in the Reichstag and without the need to bargain with their coalition partners. (Wikipedia engl. Enabling Act of 1933 )

Die Nazis erdachten sich ein Ermächtigungsgesetz, um eine vollständige politische Macht zu gewinnen, die sie ohne die Notwendigkeit der Unterstützung der Mehrheit im Reichstag und ohne die Notwendigkeit mit ihren Koalitionspartnern zu verhandeln erreichen konnten.

Wenn nun eine Minderheit (und die grüne Wählerschaft IST eine Minderheit) sich über Parlamente hinwegsetzt, handelt sie eigenmächtig, egal wie man dieses Handeln benennen mag.

Und wenn eine Minderheit die Forderungen des Minivereins ÖJV gleichberechtigt mit denen des Maxivereins LJV behandelt, dubiosen Minivereinen wie “Vier Pfoten” und PETA ein Verbandsklagerecht einräumt, aber Maxivereinen wie LJV, Verein der Grundeigentümer, der Angler, Waldbesitzer oder Landwirte, die alleine in NRW 500.000 Menschen und bundesweit über 6 Millionen Menschen vertreten, dieses Recht nicht zugesteht, dann ist das ein ähnliches Verhalten wie das der Nazis, die Kommunisten und Sozialisten nicht zur Abstimmung zuließen.

Ähnlich agiert die Grüne Partei in Niedersachsen mit den dortigen Landwirten:

Im Wissen, dass solches Vorhaben keine Mehrheit im Parlament finden würde, beschließt Landwirtschaftsminister Meyer (Grüner Minister in Niedersachsen) am Parlament vorbei das neue Raumordnungsgesetz.
Plakat der AG Stoppt das Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachen 2014

Wenn Gesetze gegen die Mehrheit nur für 3 Jahre regional eingeführt werden dürften und dann nur noch gelten dürften, wenn sie nach Ablauf eine Mehrheit bekommen, würde ich sogar einige von den grünen Forderungen mittragen, weil ihre Kritikpunkte ja z.T. berechtigt sind.
Das Problem ist, dass wir in einem Land leben, wo auf ein Gesetz ein noch schärferes Änderungsgesetz folgt, aber niemals eine Stornierung – nicht mal wenn es völlig daneben ist (siehe Biogas oder Altbau-Dämmsanierung oder Glühbirnen)

Über das Posting des LJV BW war ich so erbost, dass ich öffentlich Kritik auf deren FB-Seiten geäußert hatte:

Ihr Verhalten in Bezug auf die Grünen Restriktionen ist nicht pro- sondern kontraproduktiv. Die Grünen loben sich dafür, in BW so weit gekommen zu sein.

Ich möchte nicht, dass BW das neue Holland Deutschlands wird, wo “Schädlinge” wie Gänse nicht auf dem Tisch, sondern in der Vergasungsanstalt landen, wo holländische Jäger, die auf Safaris gehen wollen wie IS-Sympatisanten behandelt werden und holländische Pächter von deutschen Jagdrevieren wie Kriminelle behandelt werden.

Ich war die letzen zwei Jahre ein Gegner von Müller-Schallenbergs (Präsident des LJV in NRW) Jagdpolitik, weil er die 1000 Hörner von Düsseldorf abgelehnt hatte. Ich bin ein Fan von ihm geworden, weil er 2014 den Kampf aufgenommen hat und u.a. durch das geleakte Statement des Umwelt-Staatsekretärs gemerkt hat, dass ihn Remmel (Umweltminister der Grünen in NRW) nur verschaukeln wollte.

Die von Müller-Schallenberg angesetzen Regionalkonferenzen, die erst durch die Live-Ticker der FJD, dann durch den DJV, dann durch DJV Livestreams und zum Schluss durch nachträglich einsehbare DJV Livestreams verfolgbar waren, sind Top, Top, Top.
Die Podiumszusammensetzung und die Zuschauer steigerten sich von Konferenz zu Konferenz. In Bielefeld werden sogar BT-Abgeordnete, das DJV Präsidium und mein persönlicher Favorit FACE auf dem Podium sitzen.

Das Jagd-Managementgesetz ist nur der erste Baustein für die Abschaffung der “Hobbyjagd”, so wie das Arms Trade Treatment nur der erste Baustein für die Abschaffung des privaten Waffenbesitzes ist.

Supporter des ATT und der IANSA, die maßgeblich an den Prep-Kommitees der UN beteiligt sind und deren Agenda vorgeben, pro Sicherheit zu sein, haben öffentlich bekundet, den privaten Waffenbesitz zu stigmatisieren, zu ächten und zu diffamieren und via Kontrolle zu minimalisieren und generell zu verbieten. Die geleakten Dokumente beweisen dies auf Seiten der IANSA. Das Totalverbot privaten Waffenbesitzes ist das eigentliche Ziel.

Und die Abrüstungsexperten, die niemals den in den Industrieländern regulierten Waffenbesitz tangieren wollten, haben sich in den 90er Jahren vor diesen Karren aus Überlebensgründen spannen lassen.

Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern von einem weltweit anerkannten Professor, namens Clifford Bob, attestiert worden. Wäre schön, wenn der Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. mal über seinen eigenen Tellerrand blicken würde, und sich fortbilden würde.

Diese Abschaffung der privaten Jagd/privaten Waffenbesitzes ist kein regionales Ding, sondern wird weltweit gesteuert – mit Geldern von Staaten (auch der BRD), von Foundations und Multimillionären, die sich in ihrem Kampf gegen privaten Waffenbesitz ein “reines Gewissen” erkaufen wollen. Wir wollen nicht wissen, mit welchen unlauteren Mitteln die Sponsoren ihr Geld verdient haben. Wir wissen nur, dass wir unser Geld für unser Hobby mit legalen Mitteln erstanden haben und einige Parteien uns diesen Besitz, dem nichts Anrüchiges anhaftet, der nicht gegen Tierschutz- oder Umweltschutz verstößt, madig machen wollen und uns enteignen wollen.

Hier zum Weiterlesen: Follow the money


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